Was motiviert Waldbesitzende zur Bewirtschaftung ihrer Flächen? Welche Aktivitäten führen sie in ihren Wäldern durch? Welche Faktoren beeinflussen die multifunktionale Waldbewirtschaftung?
In einer Welt, in der Wälder trotz ihrer wichtigen Rolle für den Klimaschutz aufgrund klimabedingter Störungen vor großen Herausforderungen stehen, beleuchtet unsere Forschung die institutionellen Rahmenbedingungen, die die Waldbewirtschaftungspraktiken prägen, die Beziehungen zwischen Waldbesitzenden und ihren Wäldern und wie Waldbesitzerverbände und -organisationen zur Erreichung der Waldbewirtschaftungsziele beitragen können.
Das Thema Waldbewirtschaftung ist komplex und wird durch eine Reihe von nationalen Besonderheiten geprägt, wie z. B. gesetzliche Regulationen, die Zentralisierung der Verwaltung, das Vorhandensein von Waldbesitzerverbänden und die Eigentumsstruktur. Darüber hinaus spielen die persönlichen Motive der Eigentümer*innen, wie z. B. ihre Beziehung zu ihrem Wald, eine entscheidende Rolle für die Bewirtschaftung kleiner Waldbestände. Kurz gesagt, es gibt verschiedene Faktoren, die beeinflussen, wie Waldbesitzende ihre Grundstücke wahrnehmen und mit ihnen umgehen.
Diese Ergebnisse wurden in einem neuen Bericht unserer Partner von der Universität Freiburg, der Universität Göttingen, der WSL und Menon Economics veröffentlicht. Die Erkenntnisse wurden durch eine Kombination aus Literaturrecherche, Interviews mit Eigentümer*innen und anderen Akteuren im Zusammenhang mit kleineren Wäldern aus fünf Ländern (Deutschland, Norwegen, Rumänien, Spanien und der Schweiz) sowie den Ergebnissen einer Online-Umfrage gewonnen.
Beziehungstreiber und Eigentümerprofile
Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus dem Bericht ist, dass die Motivationen der Waldbesitzenden, ihr Land zu pflegen und zu bewirtschaften, über den rein wirtschaftlichen Gewinn hinausgeht. Die Verbundenheit mit dem Wald ist ein entscheidender Faktor, da die Wälder für die Waldbesitzenden auch von emotionaler Bedeutung sind und lokales Wissen sowie gelebte Erinnerungen ihre Bewirtschaftungsentscheidungen beeinflussen.
In diesem Zusammenhang wurden drei Typen von Waldbesitzenden anhand ihrer Beziehung zu ihren Wäldern identifiziert: diejenigen mit einer konfliktreichen, enthusiastischen oder flexiblen Beziehung zum Wald. Waldbesitzende mit einer konfliktreichen Beziehung fühlen sich verantwortlich und betreiben eine entsprechende Waldbewirtschaftung, sind sich jedoch der wirtschaftlichen Rentabilität bewusst. Diejenigen mit einer enthusiastischen Beziehung schätzen ihre Wälder sowohl aus persönlichen als auch aus ökologischen Gründen. Sie sind aktiv an der Bewirtschaftung beteiligt und engagieren sich in Waldbesitzernetzwerken, um Ratschläge und Erfahrungen auszutauschen. Im Gegensatz dazu sind Waldbesitzer*innen mit einer flexiblen Beziehung weniger emotional an ihr Land gebunden, betrachten es nicht als Teil ihrer Identität und gehen mit ihrem Eigentum im Allgemeinen pragmatischer um, indem sie situationsabhängig handeln, wenn Probleme oder Chancen auftreten.
Das Dokument zeigt auch auf, wie zeitliche Dynamiken die Motivationen und Hindernisse der Waldbesitzer in den fünf teilnehmenden Ländern beeinflussen. In Norwegen und Deutschland wird eine langfristige Ausrichtung der Waldbewirtschaftung bevorzugt, eine Vision, die höchstwahrscheinlich mit den Wäldern als Familienerbe zusammenhängt. In der Schweiz entscheiden sich die meisten Waldbesitzenden ebenfalls für eine langfristige Ausrichtung, da die Waldkultur nicht-wirtschaftliche Werte wie Erholung, Biodiversität und Landschaftsidentität betont. Spanische Waldbesitzende neigen zu einer kurzfristigen Ausrichtung, was möglicherweise mit der Konzentration auf Nicht-Holz-Waldprodukte (NWFP) zusammenhängt, die schneller Erträge bringen und eine vorhersehbarere Einnahmequelle darstellen. In Rumänien schließlich verfolgen die Waldbesitzenden aufgrund institutioneller und soziopolitischer Bedingungen eine mäßig kurzfristige Ausrichtung, wenn auch nicht so kurzfristig wie in Spanien.
Die Rolle institutioneller Rahmenbedingungen
Waldbesitzer sind keine homogene Gruppe. Sie sind in spezifische nationale und lokale Kontexte eingebettet, sowohl institutioneller als auch persönlicher oder beruflicher Art, die einen starken Einfluss auf die Bewirtschaftung ihrer Wälder haben. Einige dieser Unterschiede in den nationalen Kontexten, insbesondere in Bezug auf informelle Institutionen, hängen mit terminologischen und konzeptionellen Diskrepanzen zwischen den Ländern und sogar innerhalb derselben zusammen. So kann es beispielsweise unterschiedliche Interpretationen dessen geben, was unter multifunktionaler Waldbewirtschaftung zu verstehen ist oder wann Waldflächen als „klein” gelten.
Was die formalen institutionellen Rahmenbedingungen angeht, gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. In Spanien beispielsweise sind die Zuständigkeiten für die Forstwirtschaft an die Regionen (comunidades autónomas) übertragen, ähnlich wie in der Schweiz, wo die Kantone über ein hohes Maß an Autonomie verfügen. In anderen Ländern, wie Norwegen und Deutschland, wird die Forstpolitik auf Bundesebene festgelegt, aber von den regionalen Behörden umgesetzt. Im Gegensatz dazu verfolgt Rumänien einen fast vollständig zentralisierten Ansatz für die Waldbewirtschaftung.
Wahrnehmung der Waldbewirtschaftungspraktiken
Eine auf den ersten Blick paradox erscheinende Erkenntnis ist, dass die meisten Eigentümer*innen, die angeben, nicht an der Waldbewirtschaftung beteiligt zu sein, dennoch operative Tätigkeiten auf ihrem Land ausüben. Tatsächlich verzichtet nur ein Drittel derjenigen, die angeben, ihre Wälder nicht zu bewirtschaften, wirklich auf jegliche Managementmaßnahmen.
Dieser scheinbare Widerspruch deutet auf unterschiedliche Auffassungen des Begriffs „Waldbewirtschaftung“ hin. Viele Akteure verstehen unter Waldbewirtschaftung großflächige Erntetechniken und betrachten die Einzelbaumernte zur Brennholzgewinnung, die Nutzung von Nicht-Holz-Waldprodukten oder das Belassen von Totholz nicht als Teil der Waldbewirtschaftung.
Diese Erkenntnisse kratzen nur an der Oberfläche der Ergebnisse, die im vollständigen Bericht vorgestellt werden. Für ein tieferes Verständnis der Motivationen, Hindernisse und institutionellen Rahmenbedingungen, die Kleinwaldbesitzende in ganz Europa beeinflussen, laden wir Sie ein, das vollständige Dokument zu lesen. Es steht auf unserer Webseite zum Download bereit und bietet wertvolle Anhaltspunkte für Forscherinnen, politische Entscheidungsträger und Praktikerinnen, die sich für eine integrativere und nachhaltigere Waldbewirtschaftung einsetzen. Sie finden es hier (auf Englisch):
Motivations and Barriers of Small Forest Owners for Multifunctional Management